Quelle: SAFETY4SEA (Nautical Institute).
Veröffentlichungsdatum: 5. August 2026, 14:21 (UTC).
Unfallschwerpunkt
Zwischen dem Nautical Institute und den Beteiligten am Vorgehen zum Einbringen eines Schiffes in die Dockbecken wurde ein Fall diskutiert, bei dem ein Trawler-Matrose tödliche Verletzungen erlitt. Der Vorfall ereignete sich während der Festmacherarbeiten beim Einlaufen des Schiffes in das Dock unter der Leitung eines Lotsen.
Ein Frachtschiff kam mit Ballast in den Hafen und sollte mit zwei Schleppbooten in das Dock einlaufen. Der Kapitän des Schiffes und der Lotsen koordinierten das Manöverschema. Geplant war, dass jedes Schleppboot zwei Festmacherleinen übernehmen sollte: je eine an Bug und Heck vom Vorschiffspunkt des Schiffes, die paarweise gleichzeitig übergeben wurden.
Am Heckbereich gelang dies schnell. Am Bugbereich wurde nur eine Leine ausgebracht, und sie geriet am Schlepperhaken des Schleppers ein. Die Crew des Schleppers wusste nicht, dass diese Leine bereits am einlaufenden Schiff festgemacht war. Während auf die zweite Leine gewartet wurde, befand sich der Schlepper zu nahe an der Backbordseite des Schiffes, sodass zwei Mitarbeiter auf dem Schlepperbereich weichen mussten, um der möglichen Einwirkung der Leine zu entgehen.
Als der Schlepper für die zweite Leine herankam, kam die bereits festgelegte Leine unter Spannung und befand sich erneut in unmittelbarer Gefahrenzone für zwei Personen am Heck des Schleppers. Einer von ihnen konnte sich ducken, doch die Leine traf ihn am Helm und riss ihn zu Boden. Den anderen Matrosen streifte die gespannte Leine im Brustbereich; er erlitt schwere Verletzungen. Durch die Spannung zog die Leine den Schlepper in Richtung des Schiffes, und die Fahrzeuge stießen aufeinander.
Ein unversehrtes Crewmitglied benutzte den Not-Entkoppler am Schlepperhaken und lockerte die Leine. Der Vorfall wurde sofort dem Schiffsführer des Schleppers gemeldet, anschließend dem Lotsen und der Bereitschaft der Lotsenstation; ein Notarzt wurde gerufen. Der Verletzte wurde rasch am Kai und im Krankenhaus aufgenommen, wo er trotz aller Maßnahmen verstarb.
Untersuchungsergebnisse
Aus den Ermittlungsunterlagen ergeben sich wesentliche Faktoren, die das Risiko erhöhten:
- Der geschlossene Vorschiffbereich des einlaufenden Schiffes erschwerte eine wirksame Kommunikation und Sichtverbindung zwischen der Mannschaft am Vorschiff des Schiffes und der Crew am Heck des Schleppers.
- Für das Schleppunternehmen wurde die Entwicklung von Verfahren als notwendig erachtet, falls Festmacherleinen nicht gleichzeitig übergeben werden können, einschließlich Sicherheitsmaßnahmen für das Schlepperpersonal.
Der Vorfall zeigt, dass selbst bei Einhaltung des allgemeinen Schleppschemas eine unvollständige oder nicht genehmigte Änderung der Linienübergabe in nur wenigen Minuten zu einer akut lebensgefährlichen Situation führen kann.