Die Häfen des Vereinigten Königreichs werden in den kommenden Jahrzehnten deutlich mehr Strom für die landseitige Stromversorgung und das Laden von Schiffen sowie für den Ausbau der Infrastruktur für alternative Kraftstoffe benötigen. Lange Wartezeiten auf Netzanschlüsse und hohe Energiekosten könnten jedoch den Übergang der Schifffahrtsbranche zur Emissionsfreiheit verlangsamen.
Zu diesem Schluss kam das britische Verkehrsministerium in seiner veröffentlichten Zusammenfassung der Antworten auf die Datenabfrage Net Zero Ports: Challenges and Opportunities. Die Konsultation wurde im März 2025 gemeinsam mit der staatlichen Strategie zur Dekarbonisierung des Seeverkehrs eingeleitet.
An der Konsultation beteiligten sich 65 Befragte, darunter 17 Hafenunternehmen, 11 Branchenverbände und vier Unternehmen aus den Bereichen Schifffahrt sowie Kreuzfahrt- und Fährverkehr. Ziel war es, die infrastrukturellen, energetischen und regulatorischen Probleme zu untersuchen, mit denen Häfen auf dem Weg zur Beseitigung der inländischen Treibhausgasemissionen des Seeverkehrs bis 2050 konfrontiert sind.
Der Leistungsbedarf könnte sich verzehnfachen
Die Stromversorgung erwies sich als eines der Hauptprobleme. Die Netzanschlüsse großer britischer Häfen verfügen derzeit üblicherweise über Leistungen im Megawattbereich. Den Antworten zufolge beträgt die verfügbare Leistung im Median 5,5 MW und im Durchschnitt 11,73 MW. Mehrere Häfen nutzen bereits nahezu ihre gesamte verfügbare Leistung.
Der Strombedarf wird mit der Elektrifizierung von Umschlaggeräten, der Einführung von Landstromversorgung und Ladesystemen für Schiffe sowie dem Bau von Anlagen für alternative Schiffskraftstoffe rasch steigen.
Die Hafenunternehmen erwarten, dass sich ihr Leistungsbedarf um das Zwei- bis Zehnfache erhöhen könnte – im Durchschnitt auf etwa 91 MW. Die Mehrheit der Befragten gab an, dass die bereits geplanten Modernisierungen nicht ausreichen werden, um den gesamten künftigen Bedarf zu decken.
Auf Netzanschlüsse muss bis zu 15 Jahre gewartet werden
Die Bereitstellung zusätzlicher Leistung kann Jahre dauern. Die Befragten berichteten von Schwierigkeiten, Netze rechtzeitig und zu vertretbaren Kosten auszubauen. In Einzelfällen beträgt die Wartezeit auf einen Netzanschluss bis zu 15 Jahre.
Einem Hafen wurden zunächst schrittweise Netzanschlüsse bis 2030 angeboten. Später wurde er jedoch darüber informiert, dass sich die Wartezeit aufgrund von Engpässen im Übertragungsnetz bis 2039 verlängern könnte.
Diese Probleme wirken sich bereits auf Investitionen aus. Von den 26 Teilnehmenden, die gefragt wurden, ob Häfen oder deren Kunden aufgrund unzureichender Stromversorgung Geschäftsmöglichkeiten verloren hätten, antworteten 69 % mit Ja. Einige berichteten, dass Kreuzfahrt- und Fährunternehmen europäische Häfen wegen der dort besser verfügbaren Landstromversorgung und niedrigeren Strompreise bevorzugen. Andere wiesen darauf hin, dass Netzengpässe Investitionen in Elektroschiffe und die Produktion umweltfreundlicher Kraftstoffe hemmen.
Kosten und Unsicherheit behindern alternative Kraftstoffe
Die Pläne der Häfen sehen den Ausbau der Infrastruktur für Methanol, Wasserstoff, Ammoniak, Biokraftstoffe und das Laden von Elektroschiffen vor. Als wichtigste Hindernisse nannten die Befragten Netzengpässe, hohe Investitionskosten, eine unsichere künftige Kraftstoffnachfrage und komplexe Vorschriften.
Der vollständige Aufbau von Anlagen zur Bebunkerung mit alternativen Kraftstoffen und zum Laden wird nach Einschätzung der Teilnehmenden in der Regel fünf bis zehn Jahre dauern. Die Umsetzung einzelner Projekte könnte sich bis 2050 hinziehen. Die Kosten der Ladeinfrastruktur werden auf 45.000 Pfund Sterling bis mehr als 20 Millionen Pfund pro Liegeplatz geschätzt – hauptsächlich abhängig von der Größe der Schiffe und der benötigten elektrischen Leistung.
Verringerung der Emissionen von Schiffen am Liegeplatz
Im Rahmen der Konsultation wurde auch die mögliche Einführung einer Vorschrift im Vereinigten Königreich zur Verringerung der Emissionen von Schiffen während ihrer Liegezeit geprüft. Von 51 Befragten stimmten 76 % der Aussage zu oder voll und ganz zu, dass eine solche Maßnahme die Treibhausgasemissionen in Hafengebieten reduzieren könne.
Die Teilnehmenden bezeichneten die Landstromversorgung als die ausgereifteste Lösung. Hohe Ausrüstungskosten, Netzengpässe und die Kosten für die Umrüstung von Schiffen stellen jedoch weiterhin erhebliche Hindernisse für ihre Einführung dar.