Das Institut für Marine Engineering, Science and Technology (IMarEST) hat für die Mitgliedstaaten der International Maritime Organization (IMO) eine Analyse veröffentlicht, die den Mitgliedern helfen soll, bei den Verhandlungen zur Ausgestaltung eines Net-Zero-Frameworks für die internationale Schifffahrt zu unterstützen.
Veröffentlichungskontext
IMarEST hat die Unterlagen am Vortag der 22. Intergouvernementalen Zwischensitzung zu Treibhausgasemissionen aus der Seeschifffahrt (ISWG-GHG 22) vorgelegt, die für den 1.–4. September 2026 geplant ist. Die Organisation hat mehrere Dokumente zur Diskussion gestellt und zur Bewertung der vorgeschlagenen Maßnahmen vor dem Hintergrund der IMO-Emissionsminderungsstrategie von 2023 vorgelegt.
Kern der durchgeführten Analyse
- Die Analyse umfasst vier MARPOL-Änderungsvorschläge, die bei der IMO in der Diskussion sind, und bewertet deren Wirksamkeit bei der Erreichung der Emissionsminderungsziele.
- Es wurden Abwägungen zwischen Umweltwirkung, wirtschaftlicher Wirkung und Einnahmepotenzial betrachtet.
- Der Bericht bewertet auch, inwieweit die Vorschläge einen gerechten und ausgewogenen Übergang zu saubereren Kraftstoffen und Technologien in der Schifffahrtsbranche unterstützen.
Laut IMarEST ist diese Arbeit zur technischen Unterstützung der IMO-Mitgliedstaaten bei der Ausarbeitung langfristiger Regulierungsmaßnahmen gedacht, die mit den Dekarbonisierungszielen der Branche harmonieren.
Schlüsselbefund
Am aussichtsreichsten für das Erreichen der Zielmarken 2030 und 2040 hat IMarEST ein abgabenbasiertes Modell (levy-based framework) bezeichnet.
Nach der Beschreibung des Modells umfasst es:
- feste finanzielle Strafzahlungen für Schiffe, die die Emissionsanforderungen nicht erfüllen;
- die Subventionierung nur jener Reeder und Betreiber, die emissionsfreie oder nahezu emissionsfreie Kraftstoffe und Technologien einsetzen.
Gleichzeitig stellt die Analyse fest, dass eine andere Option – die Beibehaltung des Net-Zero-Frameworks in der derzeitigen Fassung – unter den Preisinstrumenten die niedrigsten durchschnittlichen Vermeidungskosten bringen kann, sofern bis 2038 kein deutlicher Anstieg der Biodieselpreise eintritt.
Methodik und Datenquelle
Die Analyse basiert auf aktualisierten Modellsimulationen, die von der Shipping and Oceans Research Group des University College London Energy Institute gemeinsam mit dem Rocky Mountain Institute durchgeführt wurden.
Wie Dr. Tristan Smith, Professor für Energie und Verkehr (UCL Energy Institute, Leiter der IMO-GHG-Delegation von IMarEST), anmerkte, ist dies die erste Studie, die alle vier Vorschläge gleichzeitig anhand derselben Methodik vergleicht und sich auf Ansätze und Annahmen stützt, die von der IMO in ihrer eigenen umfassenden Wirkungsbewertung für Zwischenmaßnahmen verwendet werden.
Nächste Schritte
Vor dem Hintergrund der vor dem Jahresende intensivierten Verhandlungen vor MEPC 85 hat IMarEST eine Branchenkonsultation gestartet, um fachliche Einschätzungen zu den bestehenden IMO-Emissionsmaßnahmen und zu möglichen praktischen Auswirkungen der Netto-Null-Politik für den maritimen Sektor zu sammeln.
Die Organisation lädt außerdem ein breiteres Fachpublikum ein: Ingenieure, Wissenschaftler und Techniker, damit ihre Positionen auf IMO-Ebene weiterhin auf der Expertise der Branche beruhen.