Der langwierige Streit über die VLCC-Befrachtung von Hunter Group ist weiter eskaliert: Der Betrag der gemeldeten ausstehenden Zahlungen stieg auf 55 Mio. USD nach einem weiteren, im Vergleich zu den Vorjahren größten monatlichen Unterbezahlungsfall.
Details des aktuellen Konflikts
Ein nicht identifizierter langfristiger Kontrahent zahlte im August rund 11,75 Mio. USD weniger, als nach Einschätzung von Hunter geschuldet war. Dies ist bereits der sechste Monat in Folge mit sinkenden Zahlungen seit Bekanntwerden des Streits im März.
Nach Angaben des Unternehmens beträgt die Streitigkeit jetzt rund 55,04 Mio. USD unter Berücksichtigung aufgelaufener Zinsen. Der Verlauf der Unterzahlungen stellt sich wie folgt dar:
- März — 8,31 Mio. USD
- April — 9,22 Mio. USD
- Mai — 10,37 Mio. USD
- Juni — Anstieg um 7,88 Mio. USD
- Juli — Anstieg um 7,19 Mio. USD
- August — Anstieg um 11,75 Mio. USD (größter Unterschied)
Im August wies Hunter Zeiteinnahmen von rund 31,69 Mio. USD aus, von denen im Kern mehr als ein Drittel offen blieb. Das Unternehmen und seine Rechtsberater bestehen darauf, dass der Kontrahent keine vertragliche Grundlage für die Reduzierung der Zahlungen hat und die wiederholten Unterzahlungen als Vertragsverletzung zu werten sind.
Schiedsverfahren und Rechtsgrundlage
Der Streit wurde bereits an ein Schiedsgericht verwiesen. Laut einer Branchenpublikation hatte Hunter im Juni bereits ein Verfahren bei der London Maritime Arbitrators Association eingeleitet, nachdem die strittige Summe 28,21 Mio. USD erreicht hatte. Das Verfahren wird in London nach englischem Recht durchgeführt. Das Unternehmen fordert die vollständige Nachzahlung der überfälligen Chartermiete, Zinsen und Verfahrenskosten.
Hintergrund des Geschäfts und Finanzergebnisse
Die Eskalation des Konflikts geschieht vor dem Hintergrund hoher Gewinne aus Hunters ungewöhnlicher VLCC-Handelsstruktur. Das Unternehmen verfügt über zwei umweltfreundliche VLCC-Schiffe mit Abgasreinigung (Scrubber), die zu einem festen Satz gechartert und anschließend über rückkehrende Verträge mit Rückwirkung auf den Index TD3C Middle East Gulf-China weitervermietet wurden.
Hunter zahlt durchschnittlich 51 750 USD pro Tag an Charterhire für jedes der beiden Schiffe, bleibt aber durch indexgebundene Spot-basierte Erlösverträge gegenüber Marktbewegungen im Spotbereich exponiert. Der Einstieg in diese Struktur erfolgte im Dezember 2023 und im März 2024.
Dank der Tarifesteigerungen in diesem Jahr:
- Durchschnittlicher Spot-Charter-Satz im 2. Quartal: 452 922 USD/Tag;
- Durchschnittliche fixe Charter-In-Kosten: 51 750 USD/Tag;
- Durchschnittliche Marge: 401 172 USD/Tag.
In diesem Quartal berichtete Hunter über 73 Mio. USD Nettoerlöse aus Zeitcharter und 47 Mio. USD Reingewinn. Im dritten Quartal festigte sich der Markt weiter: Ende August waren 61 % der verfügbaren Chartertage zu etwa 460 000 USD/Tag gebucht, im August etwa 547 000 USD/Tag, während der aktuelle Spot-Satz bei rund 666 000 USD/Tag lag.
Zum Junizeitpunkt meldete Hunter 70,3 Mio. USD an liquiden Mitteln und Umlaufvermögen und setzte die Ausschüttung an Aktionäre fort: Der Aufsichtsrat schlug im August eine Dividende von 1,50 norwegischen Kronen je Aktie vor (rund 0,15 USD).
Weitere Perspektiven
Das Unternehmen betont, dass das aktuelle VLCC-Schema seinem Abschluss nahekommt: Beide Schiffe sollen innerhalb von 12 Monaten nach April zurückgegeben werden, wenn die dreijährigen Charterverträge enden. Vor diesem Hintergrund hat das Management mit der Vorbereitung auf die nächste Phase begonnen. Es wurde außerdem angekündigt, dass der ehemalige Geschäftsführer Eric Fridendahl das Unternehmen verlässt und bis zur Bewertung der Szenarien nach Vertragsende Eric Matiesen die kommissarische Führung übernimmt.