Die intersessionale Arbeitsgruppe der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation zur Verringerung der Treibhausgasemissionen von Schiffen (ISWG-GHG 22) wird vom 1. bis 4. September 2026 in London zusammentreten. Die Teilnehmer werden sich auf die noch ungeklärten Fragen des Entwurfs des IMO Net-Zero Framework und die Suche nach einem Kompromiss vor den nächsten Verhandlungen konzentrieren.
Im Mittelpunkt der Diskussion werden die mittelfristigen Maßnahmen der IMO zur Emissionsreduzierung stehen. Der Entwurf des Net-Zero Framework, der auf der Sitzung MEPC 83 im April 2025 gebilligt, aber bislang noch nicht offiziell verabschiedet wurde, verbindet einen globalen Kraftstoffstandard mit einem Mechanismus zur Bepreisung von Treibhausgasemissionen. Diese Instrumente sollen Anreize für die Nutzung emissionsärmerer Energiequellen schaffen und den Übergang der Schifffahrtsbranche unterstützen.
Die anhaltenden Bedenken der IMO-Mitgliedstaaten haben zu mehreren Vorschlägen geführt, die praktische Ausgestaltung des Programms zu ändern.
Wirtschaftlicher Mechanismus und Kraftstoffverfügbarkeit
Eine der zentralen Fragen wird die wirtschaftliche Komponente des Programms und die Einrichtung des IMO Net-Zero Fund sein. Pazifische Inselstaaten, darunter Fidschi, Kiribati, Nauru, Palau, Tuvalu und Vanuatu, haben sich für einen verlässlichen wirtschaftlichen Mechanismus und einen integrierten Fonds ausgesprochen. Sie forderten die IMO außerdem auf, sich auf das Erreichen einer Einigung und die Ausarbeitung von Umsetzungsleitlinien zu konzentrieren.
Andere Vorschläge legen größeren Wert auf Flexibilität, Verfügbarkeit und Kosten von Kraftstoffen sowie auf Energieeffizienz. Panama und Liberia unterstützen einen Ansatz, der die Marktreife sowie die Verfügbarkeit und den Preis emissionsfreier oder nahezu emissionsfreier Kraftstoffe umfassender berücksichtigt. Liberia schlug zudem vor, den Handel mit überschüssigen Einheiten auszuweiten.
Japan wies seinerseits darauf hin, dass bei der Festlegung eines umsetzbaren Emissionsminderungspfads die Energieeffizienz, die Entwicklung der Flotte und die Verfügbarkeit von Kraftstoffen berücksichtigt werden müssen.
Bedeutung für die maritime Branche
Für Reedereien, Kraftstoffhersteller und Infrastrukturanbieter gehen die Verhandlungen über die Ausgestaltung des Regulierungsmechanismus hinaus. Die Unternehmen treffen bereits langfristige Entscheidungen in Bezug auf Schiffe, Kraftstoffarten und Lieferketten.
Eine größere regulatorische Klarheit könnte den Zeitpunkt und die Ausrichtung von Kapitalinvestitionen beeinflussen. Das endgültige Programm soll außerdem die Voraussetzungen für die kommerzielle Skalierung der Produktion und Nutzung emissionsfreier und nahezu emissionsfreier Kraftstoffe schaffen.
Parallel zur Erörterung möglicher Änderungen werden die Arbeiten an den Umsetzungsleitlinien und am IMO-System zur Lebenszyklusbewertung von Treibhausgasemissionen (LCA) fortgesetzt. Von diesen Dokumenten wird die praktische Anwendung der künftigen Maßnahmen abhängen.
Nächste Verhandlungsphasen
Die Sitzung der ISWG-GHG 22 wird den Prozess nicht abschließen. Das nächste intersessionale Treffen ist für den 23. bis 27. November geplant, während die Sitzung MEPC 85 vom 30. November bis zum 3. Dezember stattfinden wird.
Die IMO plant außerdem, die vertagte außerordentliche MEPC-Sitzung am 4. Dezember wieder aufzunehmen – vorbehaltlich der Bestätigung durch MEPC 85. Dort könnte die Frage der offiziellen Verabschiedung des Rahmenprogramms erneut geprüft werden.
Die Verhandlungen im September werden zeigen, ob es den Staaten gelingt, ihre Positionen anzunähern und die regulatorische Klarheit hinsichtlich der Dekarbonisierung der Schifffahrt zu erhöhen.