CHIRP Maritime hebt in einem neuen Beitrag wichtige Lehren aus einem Vorfall in den Polargewässern hervor, bei dem auf der Brücke eine Störung im Bridge Resource Management-System (BRM) auftrat, was zu einem Rückgang der Lagebewusstheit bei sich rasch ändernden Eisbedingungen führte.
Nach der Schilderung verließ das Expeditionsschiff nach Abschluss der täglichen Routinearbeiten ein offenes Gewässer durch ein Gebiet mit einer Eisdichte von 6–7/10, in dem Gletschereis, Bergschollen und Eisberge vorhanden waren.
Was auf der Brücke geschah
Auf der Brücke befanden sich der Kapitän, der das Schiff führte, und der Erste Offizier, der über ein Navigationssystem mit Sensordaten (einschließlich GPS und Echolot) ein dreidimensionales Bodenmodell in Echtzeit erstellte.
Der Wachoffizier (OOW) war ebenfalls eingebunden. Wichtig ist, dass es seine erste Fahrt in Polargewässern war, während der Kapitän und der Erste Offizier Erfahrung im Eisbetrieb hatten.
Es gab keinen fest zugewiesenen Ausguck auf der Brücke: Der eingeteilte Beobachter befand sich zu diesem Zeitpunkt auf dem Vorschiff und war mit dem Betrieb der Expeditionsboote beschäftigt.
Schlüsselfaktoren des Vorfalls
- Das Schiff folgte nicht dem zuvor ausgearbeiteten Fahrplan.
- Ein stabiler Kurs und ein Ausweichplan für den Fall einer Verschlechterung der Eislage waren im Voraus nicht abgestimmt.
- Mit zunehmender Eisdichte wurden freie Durchfahrten geringer, und die Zeitbeurteilungen erfolgten unter wachsendem Zeitdruck.
- Der Kapitän holte während der Manöverungen die Meinungen der Mannschaft zu einem sicheren Verlauf ein.
- Der Erste Offizier stützte sich im Wesentlichen auf einen elektronischen Track, der auf der früheren Route eines anderen Schiffes basierte, und drängte darauf, dieser weiterzufolgen.
- In diesem Track wurden einzelne Eisberge nicht erfasst, die in der Lagenbeurteilung nicht berücksichtigt worden waren.
- Der OOW nutzte visuelle Beobachtungen zur Suche nach Alternativen, doch seine Angaben wurden bei der Entscheidungsfindung nicht vollständig berücksichtigt.
Erkenntnisse aus dem Fall
Nach Ansicht des Berichtsverfassers zeigt der Vorfall deutlich eine Kombination von Faktoren: Überlastung durch Situationskomplexität, übermäßige Abhängigkeit von elektronischen Quellen und die nicht ausreichend effektive Nutzung der Daten aller Brückenmitglieder.
Besonders wichtig ist die Schlussfolgerung von CHIRP Maritime: In Polaroperationen müssen traditionelle Fähigkeiten und nautisches Gefühl mit moderner Navigation kombiniert werden. Elektronische Systeme und Archivrouten helfen, ein Lagebild zu erstellen, aber sie bestätigen nicht, dass eine Route im aktuellen Moment sicher bleibt.
Eisverformung, Wetter, Sichtbedingungen und Gletscheraktivität können sich sehr schnell ändern, weshalb die Nutzung mehrerer Informationsquellen und eine abgestimmte Zusammenarbeit auf der Brücke entscheidend sind, um eine Verschlechterung der Lage zu verhindern.