Inhalt des Antrags
Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate haben sich mit einer gemeinsamen Erklärung an die Internationale Seeschifffahrtsorganisation (IMO) gewandt und gebeten, den Entwurf des IMO Net-Zero Framework (NZF) zu überarbeiten. Ihrer Ansicht nach kann die bestehende Konstruktion der Mechanismen eine unverhältnismäßige Belastung für Langstreckenrouten und Volkswirtschaften schaffen, die stark vom internationalen Handel abhängen.
Die Initiative wurde vor der Sitzung der Intersessional Working Group on Reduction of GHG Emissions from Ships (ISWG-GHG) eingebracht, die für den 1.–4. September angesetzt ist.
Hauptargumente der Staaten
- Anstelle einer gleichmäßigen Verteilung der Kosten nach Routen, Ladungsarten und Ländern führt der Rahmen einen einheitlichen Preismechanismus für verpflichtende Compliance-Einheiten und Korrektureinheiten ein.
- Die Staaten betonten, dass der Chartermarkt unterschiedlich reagiert: Bei Tonnageüberschuss können Kosten schneller auf Reeder und Lieferketten abgewälzt werden, während bei Tonnagemangel der Anstieg der Frachtkosten durch Geschwindigkeitsdrosselung und den Verlust an effektiver Transportkapazität zusätzlich verschärft wird.
- Nach ihrer Einschätzung wird das System faktisch zu einer kostenbezogenen Entfernungsabhängigkeit: Je länger die Route und je höher der Treibstoffverbrauch, desto höher sind die Kosten zur Einhaltung der Vorgaben.
- Als Folge werden weite Routen und abgelegene Volkswirtschaften mit deutlich höheren Ausgaben konfrontiert als Regionen, die näher an großen Märkten liegen.
Kontext des IMO-Verfahrens
Im April 2025 verabschiedete MEPC 83 die Entwurfsänderungen zu MARPOL Anhang VI mit einem neuen Kapitel 5, mit dem NZF eingeführt wird, um die Reduzierung der Treibhausgasemissionen im internationalen Seeverkehr zu beschleunigen und die Ziele der IMO-Strategie 2023 zur Emissionsreduktion zu unterstützen.
Bei der außerordentlichen Sitzung der MEPC im Oktober 2025 gelang es den Mitgliedstaaten jedoch nicht, im Rahmen des Versuchs einer formellen Annahme der überarbeiteten Änderungen einen Konsens zu erreichen. Der Ausschuss beschloss, die Berücksichtigung der Entscheidung um ein Jahr zu verschieben, um die Verhandlungen über mittelfristige Emissionsminderungsmaßnahmen fortzusetzen.
Forderung der Staaten
Auf Grundlage dieser Überlegungen baten Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate die IMO, NZF in der derzeitigen Version nicht weiterzuverfolgen und alternative Ansätze zu prüfen, die nach ihrer Ansicht die wirtschaftlichen Auswirkungen zwischen den Teilnehmern der Weltseeschifffahrt und dem globalen Handel fairer verteilen würden.
Veröffentlicht: 2026-08-04T09:07:17+00:00.