Die Schifffahrt war schon immer eine praktische Branche. Wenn Probleme auftreten, findet der Sektor arbeitsfähige Lösungen, auch wenn der Weg selten einfach ist. Die Dekarbonisierung ist da keine Ausnahme.
Laut Paul Morgan (gCaptain) erscheinen kohlenstoffarme Brennstoffe, aber nicht schnell genug und nicht günstig genug, um die gesamte Flotte in den 2030er Jahren abzudecken. Die Kohlenstoffabscheidung und -speicherung an Bord (OCCS) wird zu einer der plausibleren kurzfristigen Lösungen. Ein neuer Bericht von Lloyd's Register Advisory, der von der Internationalen Handelskammer in Auftrag gegeben wurde, stellt die umfassendste unabhängige Analyse des aktuellen Stands dieser Technologie dar.
Die Schlussfolgerung ist insgesamt ermutigend, wenn auch mit ehrlichen Vorbehalten. OCCS ist machbar. Es wurde auf See mit verschiedenen Schiffstypen demonstriert. Es ist möglich, Abscheidequoten von 70 bis 95 Prozent mit den ausgereiftesten Systemen zu erreichen. Das skalierbare kommerzielle Rollout hängt jedoch von der Lösung von drei miteinander verbundenen Problemen ab: der Integration in bestehende Schiffsdesigns, dem Aufbau von Hafeninfrastruktur zur Annahme des abgeschiedenen Kohlenstoffs und der Entwicklung eines regulatorischen Rahmens, der die Maßnahmen der Betreiber tatsächlich anerkennt und belohnt.
Aktuelle Technologien zur Kohlenstoffabscheidung
- Nachverbrennungssysteme: dominieren den aktuellen Markt und verwenden chemische Aminabsorption.
- Calciumbindung: verwendet eine andere Chemie und bildet ein festes Material, das im Bauwesen verwendet werden kann.
- Membrantrennung: kompakt und vermeidet chemische Verarbeitung.
- Kryogene Trennung: erfordert erhebliche elektrische Energie.
Wer führt diese Initiative an? Wärtsilä, eine finnische Ingenieurgruppe, entwickelt seit 2019 die maritime Kohlenstoffabscheidung. Ihr Amin-basiertes System hat TRL 8 erreicht, mit der ersten Installation auf dem Tanker Solvang LPG im Jahr 2025, die darauf abzielt, etwa 70 Prozent der Kohlenstoffemissionen des Schiffes abzuscheiden.
Große Tanker und Gasschiffe sind die vielversprechendsten Kandidaten für die Implementierung dieser Technologie. Containerschiffe und Massengutfrachter stehen vor größeren Herausforderungen aufgrund des begrenzten Platzes auf dem Deck und des Mangels an Erfahrung der Besatzung im Umgang mit chemischen Abfällen.
Was passiert mit dem abgeschiedenen Kohlenstoff? Der am weitesten verbreitete Weg ist die dauerhafte geologische Speicherung, bei der CO2 in flüssiger Form transportiert und in den Boden injiziert wird.