Nach Angaben von EmissionLink-Geschäftsführer Philippos Ioulian muss die weltweite Seeschifffahrtsbranche von fragmentierten Kraftstoffbeschaffungen weggehen und den Bedarf an alternativen Kraftstoffen bündeln, wenn sie Investitionsengpässe abbauen und die Dekarbonisierung skalieren will. Diese Aussage machte er bei der Sitzung Cracking the Code: Demand Aggregation as a Catalyst for Zero-Emission Shipping auf der SMM-Veranstaltung in Hamburg.
Ioulian wies darauf hin, dass die Herausforderung der maritimen Dekarbonisierung derzeit im Wesentlichen in der klassischen Kluft zwischen Nachfrage und Angebot liegt. Auf der einen Seite sind Reeder nicht bereit, in großem Umfang auf neue Kraftstoffarten umzusteigen, ohne eine verlässliche Versorgung zu wettbewerbsfähigen Preisen. Auf der anderen Seite warten Kraftstoffproduzenten auf langfristige Sicherheit bei den Nachfragevolumina, bevor sie in groß angelegte Kapazitäten investieren.
Nach seiner Ansicht entsteht so ein langfristiger Teufelskreis der Erwartungen: Die Produzenten warten auf Nachfrage, und die Reeder warten auf ausreichendes Angebot und wettbewerbsfähige Preise. Er ist jedoch überzeugt, dass die Branche bereits auf dem richtigen Weg ist, da Beispiele aus anderen Sektoren zeigen, dass Regulierung und Anreize die Kostenreduktion und die Einführung neuer Technologien beschleunigen können, wie dies bereits in der Solarenergie zu beobachten war.
Besonderes Augenmerk wurde auf die aktuellen regulatorischen Mechanismen im maritimen Sektor gelegt:
- FuelEU;
- Das Emissionshandelssystem der EU (EU ETS).
Diese Instrumente, so Ioulian, fördern bereits die Nachfrage nach kohlenstoffärmeren Kraftstoffen und erhöhen die Bereitschaft zur sektoralen Zusammenarbeit.
Hauptvorschläge von EmissionLink
- Zusammenführung der Bedürfnisse von Reedern und Charterern um einheitliche Compliance-Anforderungen, um Skalierung und Planbarkeit für Investoren zu schaffen.
- Gezielte Nutzung der Einnahmen aus dem maritimen EU ETS für strategische Dekarbonisierungsprojekte statt pauschaler Verwendungszwecke.
- Lenkung eines Teils dieser Mittel in die Infrastruktur für alternative Kraftstoffe, vorrangig in großen Häfen und Bunkerräumen.
- Ausbau von grünen Korridoren, die Reeder für tatsächliche Emissionsminderungen belohnen, einschließlich der Umstellung auf sauberere Kraftstoffe und energieeffiziente Technologien.
Ioulian erinnerte außerdem daran, dass historische Energieumstellungen Jahre dauerten und die Seeschifffahrt mit demselben Zeithorizont rechnen muss. Gleichzeitig sei dies für ihn kein Grund, das Handeln aufzuschieben: Die Kombination aus Regulierung, Zusammenarbeit und aggregierter Nachfrage kann schneller klare Signale für Kraftstoffproduzenten und Investoren über den zukünftigen Markt liefern.