Brittany Ferries hat zum 1. September 2026 den Transport lebender Nutztiere, darunter nicht abgesetzte Kälber, eingestellt. Die Entscheidung wurde vor dem Hintergrund wachsender Besorgnis in der Öffentlichkeit und bei Kunden über die Haltungsbedingungen der Tiere während der langen Seereisen zwischen Irland und Frankreich getroffen.
Nach ihrer Ankunft in Frankreich werden die Kälber per Lkw in andere europäische Länder transportiert. Allein 2026 wurden mehr als 160.000 Kälber im Alter von weniger als sechs Wochen aus Irland nach Polen, Spanien, Italien, in die Niederlande und in andere Staaten exportiert.
Zwei Fährbetreiber stellen Tiertransporte ein
Brittany Ferries ist damit der zweite Beförderer innerhalb eines Jahres, der sich aus diesem Handel zurückzieht. Im Oktober 2025 stellte Stena Line den Tiertransport auf der Route zwischen Irland und Frankreich ein. Nach Angaben der Organisation Ethical Farming Ireland ist Irish Ferries der einzige Fährbetreiber, der weiterhin nicht abgesetzte Kälber aus Irland nach Frankreich bringt.
Die Entscheidung von Brittany Ferries wurde von den Tierschutzorganisationen Ethical Farming Ireland, Compassion in World Farming, Eurogroup for Animals, Eyes on Animals, FOUR PAWS, L214, Southampton Animal Action und Welfarm begrüßt. Sie setzen sich für ein Ende von Langstreckentransporten lebender Tiere und für die Einhaltung der Tierschutzvorschriften ein.
Caroline Rowley, Vertreterin von Ethical Farming Ireland, erklärte, dass Tausende Kälber während der langen Seereisen leiden und gesetzliche Anforderungen verletzt würden. Die Organisation forderte auch Irish Ferries auf, solche Transporte einzustellen, und appellierte an die irische Regierung sowie die Europäische Kommission, die Einhaltung der geltenden Vorschriften sicherzustellen.
Europäische Kommission stellt Verstöße fest
In einem Bericht der Europäischen Kommission aus dem Jahr 2025 heißt es, dass die Kälber während dieser Transporte nicht in den vorgeschriebenen Abständen gefüttert werden. Eine Prüfung der Europäischen Kommission aus dem Jahr 2023 kam ebenfalls zu dem Schluss, dass der Transport nicht abgesetzter Kälber aus Irland nach Frankreich gegen die Verordnung (EG) Nr. 1/2005 des Rates über den Schutz von Tieren beim Transport verstößt.
Die Zukunft dieses Exportzweigs wird zunehmend ungewiss. In den Niederlanden, wohin die meisten irischen Kälber gebracht werden, sieht ein Plan zur Verbesserung des Tierwohls in der Kalbfleischbranche vor, deren Einfuhr aus Irland ab 2028 einzustellen. Dem ging eine 2023 verabschiedete parlamentarische Entschließung voraus, in der der Langstreckentransport sehr junger Kälber mit erheblichem Tierleid in Verbindung gebracht wurde.
Mögliche Alternativen zum Export
Als mögliche Alternativen nennen Tierschützer die Aufzucht und Mast der Kälber im Inland, die Erschließung rentablerer Märkte für Zweinutzungsrinder sowie den Ausbau bestehender Programme zur Aufzucht von Milchkälbern für die Rindfleischproduktion.
Derzeit werden etwa 10 % der Kälber von Milchrassen exportiert, während mehr als ein Viertel der Milchviehhalter alle Kälber im eigenen Betrieb behält und die männlichen Tiere für die Rindfleischproduktion aufzieht. Rowley sprach sich außerdem für die Entwicklung von Haltungssystemen mit höheren Tierwohlstandards aus, bei denen die Kälber bis zum Ende der Säugeperiode bei ihren Müttern bleiben.
Mehr als 75.000 Menschen haben sich im Rahmen einer Kampagne von Compassion in World Farming bereits an Irish Ferries gewandt und das Unternehmen aufgefordert, seine Beteiligung am Export lebender Tiere zu beenden.