Der International Council on Clean Transportation (ICCT) hat Kalifornien aufgefordert, seine Politik zur Verringerung der Treibhausgasemissionen in der Schifffahrt und im Luftverkehr zu verstärken. Diese Branchen sind für die Wirtschaft des Bundesstaates von großer Bedeutung, zählen zugleich aber weiterhin zu den wesentlichen Emissionsquellen.
In dem Bericht „Herausforderungen und politische Optionen für die Dekarbonisierung des Luftfahrt- und Schifffahrtssektors in Kalifornien“ wird festgestellt, dass derzeit keine erschwinglichen und skalierbaren kohlenstoffarmen Lösungen verfügbar sind, die fossile Brennstoffe in beiden Branchen ersetzen könnten. Als vielversprechendste langfristige Option betrachten die Fachleute Wasserstoffkraftstoffe mit einem extrem niedrigen CO₂-Fußabdruck, die mithilfe von Strom aus erneuerbaren Energiequellen hergestellt werden.
Diese Kraftstoffe befinden sich noch in einem frühen Entwicklungsstadium und sind bislang teuer in der Herstellung. Für ihren breiten Einsatz sind weitere technologische Fortschritte und Investitionen erforderlich.
Lücken in der bestehenden Politik
Kalifornien berücksichtigt in seinem Emissionsinventar bereits die Emissionen des innerstaatlichen Luftverkehrs und der maritimen Aktivitäten in den Küstengewässern. Die bestehenden Anreize und regulatorischen Vorgaben gelten jedoch nicht unmittelbar für diese Emissionsquellen. Der ICCT sieht in dieser Lücke eine Möglichkeit, die Dekarbonisierung zweier Sektoren zu beschleunigen, in denen Emissionssenkungen besonders schwierig sind, und zugleich die allgemeinen Klimaziele des Bundesstaates schneller zu erreichen.
Nach Einschätzung der Autoren des Berichts reichen die bestehenden internationalen, bundesweiten und regionalen Maßnahmen nicht aus, um erneuerbare Wasserstoffkraftstoffe in der Schifffahrt und im Luftverkehr in großem Maßstab einzuführen. Investitionen werden durch hohe Kapital- und Produktionskosten sowie durch die Unsicherheit hinsichtlich der künftigen Nachfrage und staatlichen Förderung gebremst.
Eine mögliche Lösung könnten Mechanismen zur Einkommensgarantie für Hersteller sein, ähnlich denen, die im Vereinigten Königreich eingeführt werden. Kalifornien müsste ein solches System jedoch sorgfältig ausgestalten, um Konflikte mit bundesrechtlichen Vorschriften zu vermeiden.
Fokus auf synthetische Wasserstoffkraftstoffe
Die Analyse der Kraftstoffszenarien zeigt, dass Wasserstoffderivate – synthetische Kraftstoffe – bis 2045 eine deutlich größere Verbreitung finden könnten als flüssiger Wasserstoff. Die langsame Einführung wasserstoffbetriebener Flugzeuge und die physikalischen Beschränkungen von Hochseeschiffen dürften verhindern, dass flüssiger Wasserstoff einen bedeutenden Anteil der Nachfrage deckt.
Kraftstoffe wie E-Kerosin, E-Diesel, E-Methanol und E-Ammoniak könnten dagegen auf einer wesentlich größeren Zahl von Flügen und Routen eingesetzt werden. Mit der bestehenden Infrastruktur kompatible Kraftstoffe könnten potenziell nahezu den gesamten Bedarf der von Kalifornien abfliegenden Flugzeuge und auslaufenden Schiffe decken.
Neuer Investitionsstandard
Der ICCT erwägt außerdem die Einführung eines Investitionsstandards für Kraftstoffe mit extrem niedrigem CO₂-Fußabdruck – des Ultra-Low-Carbon Investment Standard (UCIS). Dieser könnte kalifornischen Herstellern von Wasserstoffkraftstoffen berechenbare Einnahmen ermöglichen.
Nach dem vorgeschlagenen Mechanismus würden Anbieter von Flugkraftstoffen und Kraftstoffen für Hochseeschiffe, die derzeit weder vom kalifornischen Standard für kohlenstoffarme Kraftstoffe LCFS noch vom Cap-and-Invest-Programm erfasst werden, verpflichtet, Emissionsgutschriften entsprechend der Treibhausgasintensität ihrer Produkte zu erwerben.
Modellrechnungen zeigen, dass ein fester Preis für Emissionsgutschriften von 30 US-Dollar je Tonne CO₂ zu Kosten führen könnte, die mit den derzeitigen Abgaben für Emissionsminderungen bei der Nutzung von Benzin und Dieselkraftstoff vergleichbar sind. Zugleich würde ein solches System der Schifffahrt und dem Luftverkehr ermöglichen, sich an der Finanzierung ihrer eigenen Dekarbonisierung zu beteiligen.