Die Schifffahrtsbranche sollte den Hype und die Modebegriffe rund um künstliche Intelligenz hinter sich lassen und sich auf die praktische Einführung von Technologien, das Vertrauen der Menschen und den tatsächlichen Nutzen für Seeleute konzentrieren. Das erklärte Tabitha Logan, Vertreterin des in Hongkong ansässigen Massengutfrachter-Eigners Cetus Maritime.
Dieses Thema wird im Mittelpunkt ihres Vortrags bei einer Diskussionsrunde über künstliche Intelligenz, Digitalisierung und Personal in der maritimen Branche stehen, die im September im Rahmen der Konferenz Splash Singapore stattfindet.
Logan zufolge nähert sich die anfängliche Phase des übermäßigen Interesses an KI und des endlosen Gebrauchs entsprechender Begriffe ihrem Ende. Mit dem Aufkommen neuer Anwendungsszenarien sollte sich die Aufmerksamkeit auf die praktische Umsetzung und die Stärkung des Vertrauens der Menschen verlagern.
Technologien dürfen die Arbeitsbelastung nicht erhöhen
Logan ist der Ansicht, dass die Aufgabe von Schiffseignern und Managementgesellschaften nicht einfach darin besteht, immer mehr technologische Lösungen an Bord zu installieren. Entscheidend sei, dass sie den Besatzungen die Arbeit erleichtern, statt zusätzliche Bildschirme und die Notwendigkeit manueller Dateneingaben mit sich zu bringen.
Gleichzeitig tritt eine Generation von Seeleuten in die Branche ein, die in einem digitalen Umfeld aufgewachsen ist und andere Erwartungen an die verfügbaren Arbeitsmittel hat. Ein kürzlich in Hongkong veranstaltetes Seminar für Kadetten habe laut Logan gezeigt, dass junge Fachkräfte aus dem Decks- und Maschinenbereich großes Interesse an den Digitalisierungsprojekten von Schiffseignern und Managern haben.
Besonderes Augenmerk legt sie darauf, wie die neue Generation Technologien wie digitale Zwillinge einsetzen wird und ob bestehende Vorschriften deren Nutzung behindern könnten.
Wettbewerb um digitale Talente
Die technologische Entwicklung ist unmittelbar mit dem umfassenderen Wettbewerb der Schifffahrtsbranche um qualifizierte Fachkräfte verbunden. Logan ist der Ansicht, dass die maritime Wirtschaft herausfinden müsse, wie sie mit dem Technologie- und Finanzsektor um Fachkräfte mit ausgeprägten digitalen Kompetenzen konkurrieren kann.
Neben ihrer Tätigkeit bei Cetus Maritime ist Logan Mitgründerin des Hongkonger Wettbewerbs für maritime Start-ups The Captain’s Table. Seit mehreren Jahren bringt diese Plattform Führungskräfte von Schifffahrtsunternehmen und Investoren mit neuen Projekten und Ideen zusammen.
Die Beobachtung der Entwicklung maritimer Technologieunternehmen hat Logan gegenüber geschlossenen Systemen und Lösungen skeptisch gemacht, die ihren wirtschaftlichen Nutzen nicht nachweisen können.